Arbeit in Großbritannien

Hier finden Sie Antworten zu einer Vielzahl häufig gestellter Fragen zur Arbeit in Großbritannien.
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Wie kann ich meine Registrierung beim General Medical Council (GMC) (britische Ärztekammer) beschleunigen?
Die Anmeldung erfolgt schnell, wenn Sie persönlich vorsprechen. Bringen Sie jedoch alle erforderlichen Dokumente und die Anmeldegebühr mit. Die telefonische Auseinandersetzung mit den GMC oder per E-mail-Kontakt kann abenteuerlich sein und Wochen dauern (und häufig haben Sie am Ende immer noch nicht alle Unterlagen). Die Website ist hilfreicher. Sie müssen einfach in den sauren Apfel beißen und Geduld haben.

Mir wurde ein Vorstellungsgespräch/eine Stelle im XYZ-Krankenhaus angeboten. Wie kann ich mehr über das Krankenhaus und die Stelle herausfinden?
Es ist allgemein üblich in Großbritannien, den Arzt/die Ärztin anzurufen, der/die gegenwärtig Ihre Stelle bekleidet. Er/sie kann Ihnen detailliert beschreiben, was Sie erwarten können und Sie auch über die Höhen und Tiefen informieren. Rufen Sie gern schon lange vor dem Vorstellungsgespräch an. Stellen Sie alle Fragen, die Sie möglicherweise haben. Die meisten Berater empfehlen Ihnen das ohnehin, denn dies gilt als „Hausaufgabe“ bei der Vorbereitung auf eine neue Stelle oder ein Vorstellungsgespräch.

Gibt es in britischen Krankenhäusern eine Kleiderordnung?
Ja, auf jeden Fall! Tragen Sie auf keinen Fall deutsche Sandalen. Ziehen Sie sich nicht ganz in weiß an – Sie könnten für einen Cricket-Spieler gehalten werden. Männer sollten ein Hemd (entweder kurzärmelig oder mit aufgekrempelten Ärmeln) tragen. Keine Krawatte – dies gilt als Infektionsrisiko. Dazu werden Stoffhosen und saubere Lederschuhe getragen. Frauen tragen entweder einen Rock oder eine Hose. Auch hier gilt, dass sie nicht zu lässig angezogen sein und kurzärmelige Oberteile tragen sollten. Jeans sind nicht angemessen. Weiße Kittel sind ebenfalls nicht erlaubt.

Wie sollte der Lebenslauf aussehen?
Entwerfen Sie Ihr eigenes Layout. Verwenden Sie keinen Vordruck aus dem Internet. Es ist nicht notwendig, Ihre Bewerbungsunterlagen in eine teure Mappe zu tun, wie dies in Deutschland der Fall ist. Einige Krankenhäuser berücksichtigen sogar Bewerbungen, die per Fax gesendet werden. Allerdings erhöhen sich Ihre Chancen mit einem klaren Layout und sauberem Papier. Auf britischen Lebensläufen ist kein Passbild notwendig. Hängen Sie also kein Bild an, sofern Sie nicht ausdrücklich darum gebeten werden (z. B. auf einigen Bewerbungsbögen).

Auf britischen Lebensläufen gibt es auch immer einen Absatz mit „beruflichen Zielen“. Hier sollten Sie in ein paar Zeilen erklären, warum Sie sich um diese spezielle Stelle bewerben. Deutsche Bewerber sind es gewohnt, diese Informationen in ihren Bewerbungsbrief zu schreiben. In vielen Fällen wird dieser Brief jedoch nicht einmal an die Ärzte weitergeleitet, die das Bewerbungsgespräch führen.
Versuchen Sie, Ihre Qualifikationen mit dem britischen Äquivalent zu beschreiben, sodass sie gleichwertig sind. Falls notwendig, erklären Sie Zensuren und Noten, die Sie in Prüfungen erreicht haben. Fügen Sie die britische Entsprechung für bestandene Examen hinzu (z. B. Abitur = A-Level)

Am Ende Ihres Lebenslaufes sollte es einen Absatz mit „Gutachtern“ geben. Dies sind Ärzte oder andere qualifizierte Personen, die bereit sind, eine Beurteilung über sie und ihre bisherigen Leistungen bei der Arbeit abzugeben. Es ist nicht üblich, der Bewerbung Empfehlungsschreiben mit der Anrede „to whom it may concern“ hinzuzufügen. Stattdessen werden die im Lebenslauf angegebenen Gutachter telefonisch, per Fax oder schriftlich kontaktiert, wenn Sie für die Stelle in Betracht gezogen werden. Daher sollten Sie nur Personen angeben, die auch Englisch sprechen.

Mitunter ist für die Bewerbung neben dem Lebenslauf auch noch ein Bewerbungsformular erforderlich, das Sie von der Personalabteilung erhalten. Versuchen Sie, dieses Dokument elektronisch zu empfangen und füllen Sie es an Ihrem Computer aus. Eventuell ist es nicht ausreichend, die Abschnitte dieses Formulars mit „siehe Lebenslauf“ auszufüllen. Leider sind diese Formulare nun gängig und es dauert relativ lange, sie auszufüllen.

Muss ich einen Sprachtest bestehen, wenn ich aus Zentraleuropa nach Großbritannien gehe?
Sofern Sie innerhalb der Europäischen Union qualifiziert sind, müssen Sie keinen Test bestehen, obwohl dies Ihre Chancen, die Stelle Ihrer Wahl zu bekommen, erhöhen könnte. Sollten Sie Ihre Qualifikationen außerhalb der EU erworben haben, müssen Sie den Test des Professional Language Assessment Board (PLAB) bestehen, um die vollständige Registrierung zu erhalten (unabhängig davon, ob Sie englische(r) Muttersprachler(in) sind oder an Ihrer Universität auf Englisch gelehrt wurde, denn dies gilt für Prag oder Budapest). Auch der IELTS oder TOEFL-Test können erforderlich sein.

Ich bin ausgebildete(r) Spezialist(in) und habe einige Jahre Arbeitserfahrung in Deutschland. Kann ich in Großbritannien als Facharzt (Consultant) arbeiten?
Theoretisch ja. Das Certificate of Completion of Specialist Training (CCST) sollte in der gesamten Europäischen Union anerkannt werden. Allerdings stellen einige europäische Richtlinien noch immer große Hürden dar. Die Behörde, an die Sie sich wenden sollten, ist die Specialist Training Authority (STA) in London, die für die Anerkennung Ihrer Ausbildung und Ihrer Erfahrung zuständig ist.

Sie müssen sich auch bei der britischen Ärztekammer, also dem General Medical Council (GMC) registrieren. Dieses Verfahren kann für Ausländer sehr frustrierend sein, da die Effektivität dieser Behörde durchaus zu wünschen übriglässt. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des GMC: https://www.gmc-uk.org/doctors/index.asp Eine weitere wichtige Adresse ist das Royal College für Ihre Spezialisierung. Die Colleges sind für die Ausbildung von Spezialisten in Großbritannien zuständig und sehr gut informiert. Außerdem können Sie bei der British Medical Association (BMA) Hilfe einholen.

Manche Fachrichtungen gibt es in Großbritannien nicht (z. B. fällt Trauma in die Orthopädie und nicht in die Chirurgie) oder sie heißen anders und werden deshalb nicht anerkannt (z. B. Dermatologie in GB ggü. Dermatologie/Venerologie auf dem Festland). Die Anerkennung des deutschen „Allgemeinarztes“ erfolgt beim „Joint Committee for Postgraduate Training in General Practice (J.C. P.T.G.P.) am Royal College of General Practice (Royal College für Allgemeinmedizin). Dies dauert etwa 6 bis 8 Wochen und ist nicht immer einfach.

Wie finde ich eine Stelle in GB?
Es gibt drei Möglichkeiten:

  • Erstens über die Fachzeitschrift  British Medical Journal (BMJ)  unter den Stellenanzeigen unter „Careers“. Jede Woche werden hunderte von Stellen ausgeschrieben, auf die Sie sich bewerben können. Beachten Sie, dass die Bewerbungsfristen sehr kurz sind, d. h. etwa zwei Wochen.
  • Zweitens können Sie eine Agentur beauftragen, die eine Stelle für Sie finden wird. Anzeigen solcher Jobbörsen/Agenturen finden sie jede Woche in der BMJ oder im Internet. Allerdings versuchen einige dieser Agenturen, weniger attraktive Stellen mit Ausländern zu besetzen, da diese Ärzte nicht wissen, was sie erwartet. Seien Sie vorsichtig, worauf Sie sich einlassen.
  • Drittens können Sie sich direkt beim Krankenhaus bewerben, in dem Sie gerne arbeiten würden. Rufen Sie die Personalabteilung oder den Chefarzt direkt an. Mitunter werden Stellen besetzt, weil jemand seine Prüfung nicht bestanden hat oder krankgeschrieben ist. Eventuell haben Sie Glück und können die Lücke schließen, bevor die Stelle ausgeschrieben wird.

Was bedeutet es, wenn eine Stelle nicht für die Ausbildung anerkannt wird?
Die meisten Ärzte der NHS bekleiden Positionen, die ihnen dabei helfen, ihre Facharztausbildung abzuschließen. Diese Stellen wurden vom Dekan für weiterführende Studien in dem Bereich zugelassen, d. h. es gibt ein reguläres Unterrichtsprogramm, Forschungsurlaub, Gelder für Kurse und Konferenzen und es gilt die Europäische Arbeitszeitrichtlinie.
Allerdings gibt es auch Stellen, die von Krankenhäusern oder Stiftungen geschaffen wurden, um Serviceleistungen anzubieten (diese heißen „Trust Grade“- oder „Staff Grade“-Stellen o.ä.) Ärzte in diesen Positionen erhalten normalerweise keinen Forschungsurlaub oder Fördermittel für Schulungen. Sie arbeiten mit den Patienten, aber nicht, um ihre Ausbildung abzuschließen. Unter Umstände sind solche Stellen sehr attraktiv, da es in manchen Fällen keine Nachtschichten oder Wochenenddienste gibt, einige Stellen besser bezahlt werden und die Nachfrage in einigen Fällen nicht so groß ist. Für Ausländer können sie ein gutes Sprungbrett sein, um in das britische System einzusteigen. Allerdings kann die Anerkennung im Heimatland problematisch sein. Bevor Sie eine Stelle annehmen, informieren Sie sich über die Unterschiede.

Ich würde gern in London arbeiten. Was muss ich tun?
Es ist generell schwierig, direkt eine Stelle in einem Londoner Krankenhaus zu bekommen. In London herrscht ein Überfluss an Ärzten aufgrund der vielen Universitäten und der Attraktivität der Stadt. Im Gegensatz zu Deutschland ist es jedoch gang und gäbe, dass Ärzte in kleineren Städten nach einiger Zeit eine Stelle in London bekommen. Daher ist es durchaus ratsam, zunächst eine Stelle in einem anderen Ort anzunehmen, um „einen Fuß in die Tür“ zu bekommen. Wenn Sie sich im britischen System integriert und darüber hinaus britische Gutachter haben, ist der Weg nach London geebneter. Leicht ist es deshalb jedoch trotzdem nicht.

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